Ich habe mir gerade den Ausreisestempel von El Salvador geholt und will rüber auf die guatemaltekische Seite, da erklärt man mir: Neuerdings braucht man in Guatemala keinen Einreisestempel mehr. Ich kann es nicht glauben, frage mehrmals nach, wieder etwas Neues, diese Regelung ist einmalig in Lateinamerika. Irgendwie toll, man denkt, so langsam hat man den Bogen raus und weiß, wie Grenzübergänge in Lateinamerika funktionieren, ist auf alles Mögliche gefaßt – und dann kommt wieder etwas ganz Neues, womit man nicht gerechnet hat.
Es gibt an den Grenzen dieser Region praktisch nichts, was es nicht gibt. Einige Beispiele (ich habe hier aufgeschrieben, was mir passiert ist, das erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, kann sich von Tag zu Tag ändern, sei es durch neue Gesetzgebungen oder abhängig von der „Tagesform“ der Grenzbeamten, und ist außerdem manchmal abhängig vom Ort des Grenzübergangs):
Die Einreise nach Nicaragua kostet aus Honduras 7 Dollar und aus Costa Rica 9 Dollar. Die Einreise nach Honduras kostet 3 Dollar, genau wie die Ausreise. Einreise und Ausreise nach/von Panama kosten einen Dollar, genau wie die Einreise nach Costa Rica, sofern man aus Panama kommt. Die Einreise von Venezuela nach Brasilien kostet etwas (ich habe vergessen, wieviel), wenn man die Grenze als Passagier eines Busunternehmens überquert. Alle anderen Grenzübergänge in Lateinamerika kosten nichts, egal, ob mit oder ohne Bus.
Gepäckuntersuchungen finden statt bei der Einreise nach Panama, Costa Rica und Nicaragua, sofern man nach Norden reist (Richtung Mexico). Sonst nicht. In anderen Ländern auch nicht.
Reist man mit der Linie „Tica-Bus“ von Panama nach El Salvador, so sammelt das Buspersonal in folgenden Fällen die Pässe (sowie etwaige Gebühren, siehe oben) aller Reisenden vorab ein und geht damit gesammelt zum Schalter: Einreise nach Costa Rica; Einreise nach Nicaragua; Einreise und Ausreise nach/von Honduras. In allen anderen Fällen geht man selbst, persönlich, zur „migracion“.
Die meisten Länder (ich weiß nicht genau, welche) haben die offizielle Regelung, daß man zur Einreise ein „weiterführendes Ticket“ aus diesem Land heraus vorweisen muß. Gefragt worden bin ich das nur bei der Einreise nach Panama, der Grenzbeamte war dann aber mit meiner Kreditkarte und meiner Absichtserklärung, mir in Panama ein Ausreiseticket zu besorgen, zufrieden. Ich habe von einem Fall gehört, wo eine andere Reisende (auch Deutsche) größere Probleme hatte und schließlich den Grenzbeamten bestechen mußte.
Normalerweise liegt eine gewisse Strecke zwischen den Gebäuden zur Abwicklung der Grenzformalitäten bzgl. der Ausreise aus einem Land und denen bzgl. der Einreise in das Nächste, oft liegt dazwischen der Grenzfluß. Nicht so bei der Einreise von Nicaragua nach Honduras und von Honduras nach El Salvador (zumindestens an den Grenzübergängen, wo ich war): Dort haben sich jeweils beide Grenzparteien in einem Gebäude versammelt. Erkennbar schneller geht es dadurch allerdings nicht.
Bei der Einreise von Venezuela nach Brasilien, zumindestens am Grenzübergang „St. Elena de Urayen“, ist der Ausreisestempel aus Venezuela an der Grenze selbst nicht erhältlich, sondern nur in der ca. 15 km entfernten Stadt. Wer das nicht weiß, muß wutentbrannt zurückfahren (so erging es mir), sofern man ggf. problemlos ein weiteres Mal nach Venezuela einreisen möchte. Derartige Regelungen sind typisch für sehr selten benutzte Grenzen in Lateinamerika, für eine so vielbenutzte wie diese ist sie ziemlich einmalig.
Und nun also dies: Für Guatemala braucht man gar keinen Einreisestempel mehr. Ich hätte mich gefreut, hätte diese Regelung schon letztes Jahr gegolten. Damals hatte ich nämlich bei der Einreise aus Mexico – neu in der Region und noch grenzübergangsunerfahren – versäumt, mir ebendiesen Einreisestempel aktiv zu holen (darauf weist einen kein Mensch hin, das muß man wissen). Folge: Bei der Ausreise aus Guatemala mußte ich eine Strafe („la multa“) in Höhe von 20 Dollar zahlen, was in dieser Gegend ein großer Haufen Geld ist (auch für Touristen, sofern man kostengünstig reist). Außerdem mußte ich, da diese Prozedur länger dauerte, mit meinem ganzen Gepäck den Bus verlassen und den nächsten nehmen. Glücklicherweise fahren die Busse der Linie „Melva Internacional“ stündlich über diese Grenze.
