Das Hotel „Santos“ in Manuagua, in dem ich etwa eine Woche lang übernachtet habe, ähnelt stark den typischen Hostels, die man in jeder Dritte-Welt-Stadt mit vielen Billigtouristen findet: Billig (4 US-Dollar die Nacht), bunte, schöne Einrichtung mit vielen Pflanzen, grosser Gemeinschaftsraum, Fernseher, etc. Aber eine Sache ist dort anders (zumindestens: war anders, als ich dort war): Es gibt viele Touristen, die deutlich älter sind als der übliche Altersdurchschnitt der Backpackers (der bei ca. 25 liegt). So auch Kenny, der einzige mir bekannte Rentner-Traveller.
Kenny ist ca. 65, US-Bürger und bezieht von der Regierung eine Pension (ich habe vergessen, wie sich das dort nennt). Diese ist zum Leben in Ländern wie Nicaragua ausreichend, sogar incl. gelegentlicher Flüge in andere Länder – aber nicht in den USA. Also reist Kenny.
Sein nächstes Ziel ist Asien, in Lateinamerika war er jetzt ca. 1 Jahr – und sucht eine Abwechslung. Er war bereits in Asien. Gefällt ihm Asien besser als Lateinamerika ? Kann man so nicht sagen, es ist halt anders…Nach Malaysia will er allerdings nicht, dort ist die Polizei hinter ihm her und will ihn einsperren, sagt er. Er weiss nicht, warum.
Es ist interessant, sich mit ihm zu unterhalten – er hat seine eigene Sicht der Dinge und ist ein guter Zuhörer. Das bestätigten auch alle anderen im Hotel, die sich mit Kenny unterhalten haben: „yes, he has something to say…“. Mal was anders als der typische Reisenden-Smalltalk („Where you´re from ?“ „How long you´re travelling ?” “Where do you go next ?“ etc. etc.).
Was ich bewundere, ist seine Einstellung: Er hat viel Mist erlebt, sieht auch nicht besonders vertrauenserweckend aus (hat z.B. nur noch etwa vier Zähne, jedenfalls kann man nur vier sehen) und wird sicher nirgends mit offenen Armen empfangen – aber wirkt nicht resigniert, sondern geht mit offenen Augen durch die Welt. Frustriert, ja. Aber nicht resigniert.
Das einzige Problem: Es ist schwer, eine Unterhaltung mit ihm zu beenden, ohne unhöflich werden zu müssen…
