Kommunikation

In der letzten Woche hat es so stark geregnet, dass in Frankfurt, wie auch anderswo, diverse Unwetterschäden entstanden sind. Auch das Cafe Starbucks ist davon betroffen und hat zu. Vor der Tür fragt mich ein desorientiert wirkender älterer Herr, ob hier Nummer 50 sei, er wäre Architekt und hierher bestellt – ja, das ist plausibel, und die Nummer stimmt.

Ich setze mich also in das Cafe nebenan, das ziemlich voll ist, zu einer älteren Dame an den Tisch. Ich erläutere, dass ich eigentlich ins Starbucks wollte, aber das Unwetter…es dauert eine Zeit, bis sie mich versteht. Daraufhin reißt die Unterhaltung ab.

Sie ist auffällig gekleidet, viel grell und rot, verbindet damit aber eine gewisse Würde.

Plötzlich segelt ein Blatt des Baumes über uns auf den Tisch. Wir schauen uns an und sie bemerkt, dass es wohl Herbst würde, der Sommer war ja auch nix, aber letztes Jahr…nun unterhalten wir uns doch.

Zuerst denke ich, dass sie aus Bayern kommt, aber als sie irgendwann einen vollkommen unverständlichen Satz sagt, frage ich nach: Sie ist Schweizerin, aus einem Dorf zwischen Montreux und „Brriieck“ (Brig), Nähe „Unnnterwalllden“ (Unterwalden). Ich liebe diesen Dialekt.

Sie ihrerseits liebt ihr Land, erzählt begeistert vom Matterhorn und vom Genfer See, da kann ich ein bisschen mitreden. Und dort sei die Welt noch in Ordnung, „auch die Jugend“. Im Gegensatz zu Frankfurt, wo sie ein Schuhgeschäft hat – mag Frankfurt aber auch. Wichtig: Hier müsse man die Leute über das Geschäftliche kennen lernen, den ganzen Tag in Cafes sitzen ginge nicht. Oder, ergänze ich, über die Musik, wie ich.

Ich erzähle, dass ich aus Hannover komme, ja, dort würde eine Schwester von ihr wohnen, auch aus der Gegend um „Brriieck“. Auch sie findet Frankfurt interessanter.

Ich stelle ihr ein mathematisches Rätsel, passend zu ihrer Herkunft: Wenn die gesamte Menschheit im Genfer See baden ginge, um wie viel würde das Wasser steigen ? Natürlich weiß sie es nicht, wer weiß so was schon: um einen halben Meter. Bzw. mittlerweile wahrscheinlich um einen Meter, denn das Rätsel datiert von etwa 1970.

Der Genfer See hat mich immer fasziniert: Ein Binnensee, von dem man an manchen Stellen das andere Ufer nicht mehr sehen kann. Und das Kinderkrimibuch „Moderne Piraten“ spielt hier.

Nachdem sie gegangen ist, gehe ich zahlen und sehe einen filmenden Kameramann. Wen er filmt, ist ein Herr etwa 35, der gerade interviewt wird. Auf meine Frage hin erläutert der Kellner, das sei jemand, den man kennen kann aber nicht muss, ein Herr Jordanow, Geschäftsmann.

Ich höre Sprachfetzen wie „wenn Sie den Satz bitte noch mal etwas deutlicher sprechen könnten“. Es geht irgendwie um seine Gewohnheiten und ums Internet. Er wirkt sehr angespannt.

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