Er ist gut drauf und hat auch schon ordentlich einen sitzen. Seit einigen Stunden ist er in der Kneipe, jetzt mit den zwei Freundinnen, für die er gern den Hahn im Korb gibt. Die Wirtin kommt auch vorbei.
- Das Stück wärs, wenn du jetzt noch tanzen könntest…
- Und ob ich das noch k-ann. Aber will ich? Das ist die Frage.
- Och, jetzt bin ich aber beleidigt!
- Hat doch nichts mit dir zut… zu tun. Manchmal ist der Moment zu tanzen, und manchmal nicht.
Dann erzählt er irgendwas aus der Nachkriegszeit, und beschreibt sich selbst als „Angriffstänzer“, der er damals war. Dann geht es um die Eintracht, um Politik und um einige andere Themen. Die Wirtin kehrt an den Tresen zurück.
Am Nebentisch, einige Zeit später:
- … übrigens, wenn ich grad was fragen darf… was bedeutet eigentlich „Angriffstänzer“?
- „Angriffstänzer“? Das Wort kenne ich nicht. Nur „Eintänzer“. Wie kommst du denn darauf?
- Na das hat er dahinten vorhin gesagt, aber ich habe leider den Zusammenhang nicht mitbekommen…
- Ach, der sagt oft einfach irgendwas. Wie gesagt, ich kenne nur „Eintänzer“. Das kommt aus der Nachkriegszeit, als Männer auf Tanzveranstaltungen knapp waren. Da wurden dann manchmal welche gebucht.
Sie geht zum Tisch in die Ecke.
- He Herbert, was soll das denn sein, ein Angriffstänzer? Du sollst das vorhin gesagt haben.
Er schaut sie nur lächelnd an und erzählt dann eine ganz andere Geschichte. Die Frage kann an diesem Abend nicht mehr geklärt werden.
- Also wie gesagt. Der erfindet manchmal einfach was. Wenn der ordentlich angeschickert ist…
- Aber dann erfindet man doch keine neuen Wörter?
- Doch. Mach ich dann auch manchmal.
