Licht ist lebensnotwendig. Die Sonne spendet es uns, neben der Wärme, und wäre das nicht so, so gäbe es uns nicht.
Auch Gebäude brauchen Licht, und wie man das am besten löst, ist keineswegs trivial. Wirkung und Atmosphäre des Lichts, Stromverbrauch, Steuerbarkeit und Automation, Sicherheit sowie Integrierbarkeit in die Gebäudearchitekur sind einige der wichtigsten Aspekte. Es macht durchaus Sinn, hierzu eine Messe zu veranstalten, auf der die in diesem Sektor tätigen Unternehmen ihre neuesten Innovationen darbieten. Und für die mittelständische Firma M. aus dem schwedischen Örebro (diesen Namen verstand Katrin nicht sofort richtig, konnte ihn aber später nachschlagen) macht es wiederum Sinn, mit fast zehn Personen auf dieser weit entfernten Messe vertreten zu sein.
Dies alles erfuhr Katrin in der Bar des großen messenahen Hotels, in dem sie untergebracht war. Sie selbst war nicht aufgrund dieser Messe in der Stadt – ihr Konzern veranstaltete ein wichtiges Projektmeeting – aber dass diese Messe stattfand, daran kam man schon bei der Zimmersuche und insbesondere bei den Preisen nicht vorbei. Es gibt in solchen Fällen ja exorbitante Preisunterschiede für nur wenig auseinanderliegende Tage in denselben Hotels.
Katrin fragte sich, was die Firma M., mit der sie zufällig am selben Tisch saß, wohl als innovativstes Produkt ausstellte. Sie fragte sich auch, ob die drei Damen und sechs Herren, die wohl zwischen 35 und 55 Jahren alt waren, wirklich alle zur Firma gehörten. Manche Frauen und Männer, die nebeneinander saßen, wirkten vertraut miteinander, vielleicht war Anhang dabei? Katrin achtete auf Eheringe, war sich aber nicht sicher, ob diese in Schweden rechts oder links getragen werden.
Weiterhin fragte Katrin sich, warum ihr gerade jetzt ein alter New Wave-Song durch den Kopf ging:
I’ve searched around for years and years
I’ve drank in bars; destroyed careers…
Wie zerstört man Karrieren in Bars? Wie sollte sie hier und jetzt die Karrieren der Mitarbeiter von M. zerstören? Oder war das nur eine Zusammenfassung einer Lebensweise? Das hatte sie sich bei diesem Song, den sie im Übrigen liebte, schon oft gefragt. Nun, Songs haben manchmal rätselhafte Texte.
- So, if I may ask…
- Yes of course…
- What is the most innovative thing you’re showing on the fair? Is it something I can understand?
(nach kurzem Nachdenken)
- Well. There is one solution we’re demonstrating about chips in the 230 volt part of the installation… usually the control is part of the low voltage devices. The way we’re providing it, you need less installation parts and save costs.
- Ok… and the installation is probably easier to handle.
- Exactly.
- Interesting. And you all belong to M.?
- Yes, we all do.
- This is quite an effort…
- Yes. It’s very important for us to be present here, to show we’re a leading company in this market. Also, we want to extend our business more to private customers.
- So, if I owned a house, you could be my company…
- Exactly.
- Unfortunately, I don’t. Is there a public day on the fair?
Hier war sich ihr Gesprächspartner nicht sicher und musste die Frau neben ihm fragen (Kollegin, wie Katrin nun wusste). Katrin fand dies inkonsequent – wenn man in den Privatkundenbereich will, sollte es einem wichtig sein, zu wissen, ob Privatkunden den Messestand besuchen werden. Nein, es gab keinen öffentlichen Besuchstag.
I was the man with future sight
I would change fortunes overnight…
Katrin erzählte von den zeitgleich in der Stadt laufenden diversen Lichtkunstausstellungen und -events.
- Just if you don’t want to sit in this bar every night…
- Oh, we certainly won’t. But yes, that’s interesting. Right now?
- Right now.
- Maybe we’ll see something of that. There have been so many innovations about lighting techniques during the last years. Just think about the LED revolution…
Und das Gespräch verlief schließlich im Sande.
But now the dream is all I see
There is no hope of breaking free
One song away from disaster
Man trägt die Eheringe in Schweden übrigens links, wie auch in den USA.
