Der Rotor dreht sich, konstant, unablässig.
Manchmal werden vorbei fliegende Vögel erschlagen, die das Drehmoment des Rotors unterschätzen. Die Kadaver liegen dann eine Zeit verwesend herum, bis sie, wie von Geisterhand, irgendwann verschwinden. Wie sie verschwinden – das hat noch niemand je gesehen. Manchmal liegen wir in sicherer Entfernung und versuchen, diesen Moment mitzukriegen, doch es geschieht nie vor unseren Augen. Anderentags sind sie weg. Es ist wie das Wasser im Topf, das auch nie vor unseren Augen zu kochen anfängt, wenn wir darauf warten.
Wir wissen nicht, aus welchem Material die beiden Rotorblätter bestehen. Auf jeden Fall, obgleich es rostig und alt aussieht, ist es stabil, dauerhaft und witterungsbeständig, wie etwa harte Glasfaser-/Kohlefaser-Hybridstrukturen, die in modernen Windradanlagen eingesetzt werden. Auch die genaue Länge der Rotorflügel ist uns nicht bekannt, doch gibt es in unserer Stadt Gebäude, die kleiner sind.
Der Rotor, dessen vertikaler Drehkreis aus großer Höhe bis etwa einen Meter über dem Boden herunterreicht – tief genug, um einen Menschen zu erschlagen –, ist über eine Achse mit der Zwiebel verbunden. Die Zwiebel selbst ist ein schwer beschreibbares Konstrukt aus verwittertem Beton, verrostetem Stahl und unbekanntem Innenleben. Auf dem dunkelgrauen Betonsockel, dessen Abstufungen unterschiedlichen Abstand voneinander haben, sind die rostbraunen Stahlträger in teilweise parallelen, teilweise asymmetrischen Mustern angeordnet – an einigen Stellen so verworren, dass das Auge nicht mehr folgen kann. Warum dieses Gebilde ausgerechnet „Zwiebel“ heißt, weiß bei uns niemand mehr, und vielleicht wusste es auch nie jemand.
Das beständige metallische Rauschen der Rotorblätter ist nicht sehr laut, liegt aber auf einer besonderen Frequenz und übertönt dadurch alle anderen Geräusche in der Umgebung.
Soweit es hier überhaupt andere Geräusche gibt.
Die Zwiebel liegt mitten in der Wüste, weit im Inneren von No Man’s Land, umgeben von einigen verlassenen Baracken und Mauerresten. Ansonsten ist hier nichts. Wir aus der Stadt gehen selten zur Zwiebel, höchstens einmal, um sie Touristen zu zeigen.
