„C.?“
Ja, er ist es, der ehemalige Trompeter meiner Sambaband „A.B.“. Zusammen mit einer symphatisch aussehenden Frau hat er sich zu mir an den Tisch gesetzt. Der Tisch steht vor dem Imbiss in der Nähe von dem verrückten japanischen Gitarristen, der immer mal auf dem Frankfurter Flohmarkt am Main spielt.
So auch heute. Es haben sich einige Zuhörer versammelt. Die Frau neben mir – C’s Freundin oder Frau – meint, er würde „katharsich“ spielen, von Katharsis, das sei etwas wie Reinigung. Wie im Theater, wo nach einiger Zeit mit dem Zuschauer etwas passiert. Wobei man sich streiten würde, ob das wirklich so sei, auch Goethe habe dazu keine klare Meinung gehabt.
Ich schliesse daraus, dass sie Theaterwissenschaften oder Germanistik studiert habe – dicht dran, Philosophie. Christoph hat Theologie studiert, wurde dann aber Kinderarzt, sie hat irgendwas mit Betreuungsprojekten oder so ähnlich gemacht und orientiert sich gerade beruflich neu. Beide haben Kinder aus früheren Beziehungen bzw. Ehen.
Ich orientiere mich ja auch neu. Erzähle vom abgeschlossenen Projekt und von der Reise. Ob ich mit jemand anders zusammen reisen würde ? Nein, allein, das ist mein Ding – mich anonym in was Neues, Unbekanntes reinstürzen, ohne Verbindlichkeit.
Die beiden reagieren wie viele: Finden das toll, würden es selbst aber so nicht durchziehen wollen.
Beide sind mir sehr symphatisch, haben beide diese staubtrocken ironische Art drauf, die ich so mag. Meistens redet er und sie guckt belustigt/skeptisch. Wir unterhalten uns über Buchstabenpermutationen in Worten, Glücksfällen von wiedergefundenen verlorengeglaubten Dingen, Hörschäden, Wegwerfern und Sammlern, Freizeitgestaltung, Frankfurt, Höhlengleichnisse von Platon (?), Vierdimensionalität und solche Dinge.
Der verrückte japanische Gitarrist kreischt wieder seine Rockballaden. Es spielt ohne Unterlass, eine Untermalung, die man irgendwann nicht mehr bewusst wahrnimmt, „wie im Zug“.
Dass Dieter, der Saxophonist, nicht mehr bei uns ist, wusste Christoph nicht mal. Ich gehe ja auch weg, ob die Band dann auseinanderbräche ? Ich meine nein; er sagt weise: Das weiss man erst nachher.
Mittendrin ein typischer Anruf von F.W., Fa. X.: Ob die SAP-Mappen tatsächlich bis auf weiteres nicht mehr automatisch übertragen werden sollten ? Das ist richtig. Meine Gesprächspartner sind ob meiner operativen Verantwortung beeindruckt. Aber das ist ja bald vorbei…
Lautet das Wort nun „katharsisch“ oder „kathartisch“ ? Ich bin für „katharsisch“, die beiden präferieren „kathartisch“, warum auch immer.
