Der Traum

Bin im Cafe Lido und lese My Tokyo Godfather, Haruki Murakami, “Kafka am Strand”. Neben mir setzt sich ein etwa vierzigjähriger Typ an den Tisch und packt eine riesige Kamera aus. Wirkt gesprächsoffen, ich frage und erfahre, dass es sich um eine digitale Spiegelreflexkamera handelt. Überraschend leicht, wiegt in meiner Hand max. 1 kg.

Er sagt, er habe sich jetzt mal einen vieljährigen Traum erfüllt, viele Wochen auf dieses Gerät warten müssen, aber sonst nicht viel Ahnung davon. Studiert also erst mal die sehr umfangreiche Gebrauchsanleiting, selbst das Quickstart-Manual ist abschreckend lang.

Zwei Typen am Nebentisch wechseln auch ein paar Worte mit ihm, der eine kennt sich offenbar ziemlich gut mit Kameras aus. Die beiden gehen dann und kommen nach ca. 15 Minuten aber überraschend wieder, „hat sich zerschlagen“ (was auch immer).

Der stolze Kamerabesitzer arbeitet bei Reuter, der Nachrichtenagentur, sein Chef würde gerade auch mit seiner Familie durch Europa reisen (auf meine Erwähnung meiner Reisepläne hin bemerkt). Wie das mit den Kindern funktioniere ? Keine Ahnung, vielleicht reisen die nur in den Ferien mit. Ich sage, dass ich das schön fände, dass Reisen auch mit Familie möglich sei, er stimmt zu.

Das Gespräch ebbt oft ab, ich lese immer wieder in meinem Buch weiter und er in seiner Gebrauchsanleitung, dann schiesst er einige Probefotos. Die zwei Frauen gegenüber – die etwa in Fotographierrichtung sitzen – schauen irritiert.

Je nach Auflösung haben die Fotos eine Dateigrösse zwischen 0,2 und 5 MB. Er kann derzeit 128 MB lokal auf dem Speicherchip auf der Kamera abspeichern, plant aber ein Upgrade auf 1 GB.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Reality veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.